Landleben: wöchentliche Kolumne

<h5>Brigittes Landleben</h5>

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( Rechtlicher Hinweis: Eine Nutzung dieses Textes, welcher Art auch immer, ist
ausschließlich nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages B. Koischwitz möglich.! )

 

© Brigitte Koischwitz

Sommer, Sonne, leichte Mittagsbrise streicht durch die üppigen Blüten, gelbrosa und blau. Zwei Zitronenfalter fliegen munter hin und her, um sich dann gemeinsam auf einer Akelei zum Naschen nieder zu lassen.  Bei solch sommerlicher Gartenidylle, kann man sich eigentlich nur zurücklehnen, träumen und dieser Welt den Rücken kehren. Denn wenn man das hört müsste man meinen, der Garten wäre fertig, wie man ihn sich gewünscht hat. Doch wie das im Leben so ist, der Mensch strebt stets nach mehr. Und da wir jetzt meinten, der Blüten genug zu haben, sollten jetzt die Hochbeete mit allen Saaten in Angriff genommen werden.  Hochbeete sind in letzter Zeit immer aktueller geworden, nicht zuletzt, weil sie dem Bequemlichkeitsdrang des Menschen sehr entgegen kommen, denn du musst dich beim Unkrautzupfen nicht mehr bücken. Wobei ich immer mehr feststellen muss, dass das Unkraut, oder besser gesagt die Beikräuter, die man da im Beet nicht haben möchte, diese eingekastelten Beete gar nicht so mögen. Denn dadurch dass der Boden unter ständiger Beobachtung ist, kann kein falsches Kräutlein sich richtig ausbreiten. Seit einigen Jahren haben wir bereits ganz nette Erfolge mit diesen Beeten erwirtschaftet. Ernähren können wir uns davon allerdings nicht. Aber es ist einfach eine Freude, wenn plötzlich aus den kleinen in die Erde gelegten Samenkörnchen winzige  Blättchen sprießen. Bei uns wird jedes zarte Pflänzchen was sich da zeigt, mit viel „Hallo“ begrüßt. „Komm doch mal schnell. hast du schon gesehen, wie weit der Feldsalat gekommen ist?“ Doch wenn diese Beete durch ihre Höhe auch recht gemütlich bei der Bearbeitung sind, so haben auch sie ihre Tücken. Der Inhalt war im letzten Winter bis auf die Hälfte zusammengesackt. Deshalb wurde der Entschluss laut, hier muss Erde her! Ein kühner Entschluss, denn es wurden 3 Kubikmeter bestellt. Die Zahl „Drei“ klingt noch sehr klein. Doch als der LKW die Geschichte direkt in die Einfahrt kippte, lag da plötzlich ein riesiger schier unüberwindlicher Berg. Beim Anblick solcher Massen meinte ich, “das ist Männersache“, und verdrückte mich so schnell es ging.  „Ich setze nachher die Pflanzen“, und weg war ich. „Nachher…, du bist gut“, murmelte der liebste Mann an meiner Seite und griff sich die nächste Schippe und Schubkarre. Männerarbeit hin und her, ich hätte dabei gar nicht helfen können. Denn ich hatte einen ganz wichtigen Termin, schließlich stand die Hochzeit mit Harry und Maghan auf dem Programm. Und wenn ich bei einer solch prächtigen Veranstaltung live dabei sein kann, dann wollte ich keinen Augenblick davon verpassen. Das englische Essen lässt ja  manchmal sehr zu wünschen übrig, aber was Hochzeiten anbelangt, kann keiner die  Insulaner toppen. Ach völlig hingeschmolzen bin ich. Hier handelte es sich wirklich um ein Paar was sich innig liebte, zu sehen an den liebevollen Blicken die man während der anstrengenden Zeremonie einander austauschte.  Davon war auch der predigende Bischof überzeugt. Selten habe ich eine so packende Predigt zu einer Hochzeit gehört. Da sind viele Tränen geflossen, denn bei soviel Unfrieden in unserer Welt ist es wirklich eine hinreißende Botschaft wenn es da heißt:…“ was wäre, wenn die Liebe nicht nur da in einem kleinen Verbund der Ehe regieren würde, was wäre wenn die Liebe die Welt regiert? Dann wäre unter den Nachbarn, den Ländern, der Wirtschaft, der Politik  überall ein erträgliches Leben und kein Kind würde mehr hungrig zu Bett gehen!“ Noch nie ist während einer königlichen Hochzeit eine solch emotionale Predigt gehalten worden.  Welch gute Fügung und gute Begleitung für diese Eheschließung. Denn wenn man sich die vielen Patchworkfamilien anguckt, dann fragt man sich wo ist da die Liebe geblieben, die doch im Anfang einmal dagewesen sein muss. Leider blieb mir keine Zeit mehr darüber weiter zu philosophieren, denn da kam der liebste Mann zur Türe rein: Blasen an den Händen von der Schubkarre, wehe Knie und mit schmerzendem Rücken. „Die Hälfte habe ich geschafft, jetzt kann ich nicht mehr!“ Da blieb mir doch nichts anderes übrig, als mich diesenm meinem Menschen in Liebe zu widmen. „Ruh dich aus“, empfahl ich liebevoll, “ wir setzen uns in den Garten zu unseren Blumen und ich koche uns einen Kaffee dazu!“. Und da saßen wir dann wieder mitten in der Blütenpracht, blau rosa und grün und die Zitronenfalter flatterten wieder hin und her. …

 

Frohe Pfingsten

 

© Brigitte Koischwitz

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