Landleben: wöchentliche Kolumne

<h5>Brigittes Landleben</h5>

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Bad Endbach. Ein Erlebnis ganz eigner Art. Informationen, siehe
„Galerie Alte Schule bzw. Einfrautheater“

( Rechtlicher Hinweis: Eine Nutzung dieses Textes, welcher Art auch immer, ist
ausschließlich nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages B. Koischwitz möglich.! )

© Brigitte Koischwitz 

„Passt, wackelt und hat Luft“, ist ein beliebter Spruch, wenn eine Sache nicht ganz so präzise 
gelingt, wie man sich das vorgenommen hat. Also ich kann ein Lied davon singen. Da sollte eine 
kleine Einstiegsgeschichte zum Boden umbaut 
werden, weil eben die warme Luft vom Haus zu 
sehr nach oben zieht. Monatelang, eigentlich 
jahrelang wurde diese Schwachstelle zwar 
allgemein bemängelt, aber stets mit dem Satz 
beendet: „man müsste das Ganze einfach umbauen 
und alles ist geritzt!“ Ähnlich liegengebliebene Geschichten kennt jeder im eigenen Haus. Doch 
irgendwann ist das Maß voll und einer ergreift 
die Initiative. In diesem Fall schritten wir 
gemeinsam zur Tat. Also musste erst einmal eine Planung her und dazu braucht man einen Zollstock. In der Regel ist dann keiner zu finden. Aber 
vor ein paar Tagen hatte sich die Fernbedienung vom Fernseher bei uns in ein imaginäres Loch 
verkrümelt. Es war wie Ostern, drei Tage lang 
suchten wir in allen Ecken und Schubladen und 
fanden sie nicht. Dabei entdeckten wir 
allerdings sechs Zollstöcke, drei Scheren und 
etliche Brillen. Somit besaß nun jeder einen 
seinen eigenen Zollstock. Das hört sich gut an 
und man hätte meinen können, dass es einer 
absolut präzisen Messung zugute käme. Doch die 
Geschichte wandelte sich leider ins Gegenteil. 
Wo ich 72, 5 cm meinte gemessen zu haben, 
sprach der liebste Mann an meiner Seite, eher 
von 73,4 cm. Deshalb wurde mindestens dreimal 
gemessen und noch einmal nachgemessen. Bis wir 
alle Ecken registriert hatten, wirbelten mir die Zahlen kunterbunt vor den Augen. Zudem sank die allgemeine Stimmung an diesem Morgen auf den 
untersten Level herab. Denn um ganz sicher zu 
gehen, hatte ich heimlich noch mal nachgemessen und wurde dabei erwischt. Doch alles stimmte auf den Punkt genau. Derart ausgerüstet landete ich freudestrahlend in der Holzschnittabteilung in unserem Baumarkt. Der dort diensthabende 
„Holzwurm“ schluckte für Sekunden, als er meinen riesigen Zettel sah. „Die Bretter sind ja alle unterschiedlich“, meinte er noch absolut 
freundlich. Aber als er sich seiner großen Säge zuwandte, entging mir sein gequältes Augenrollen allerdings nicht. Mit anderen Worten für diesen Vormittag war die Abteilung ausgebucht. Der 
junge Mann empfahl mir, mich nach den anderen 
Kleinigkeiten schon mal umzusehen, es würde eine Weile dauern. Das Kreischen der armen Säge war weithin zu hören, doch für mich klang es wie 
Musik, denn so brauchten wir daheim die Bretter alle nur noch passgenau einzubringen. Nach einer ziemlichen Weile und zwei hübschen Orchideen, 
die ich mir gegönnt hatte, kehrte ich zur 
Holzabteilung zurück. Diesmal schluckte ich, 
denn da stand eine riesige Menge, die es galt zu verladen, aber der junge Mann stand mir 
hilfreich dabei zur Seite. Zuhause angekommen 
empfing mich mein liebster Mann in seiner 
blitzblauen Latzhose und aufgeladenem 
Akku-Schrauber. Diese Bretter einzubauen, 
betrachteten wir beide als Kleinigkeit! Wäre es auch gewesen, wenn sich nicht plötzlich alle 
Maße um 1,5 ja manche sogar um 3 Zentimeter 
verändert hätten. Da kannst du noch so 
verzweifelt mit den Zähnen knirschen wie du 
willst, da hilft nur eine Säge. Also wurde die 
Tischkreissäge flott gemacht und einfach alles 
abgeändert: Maß nehmen, anzeichnen und Schnitt! Dreimal wurde solche Prozedur wiederholt. Doch 
je mehr wir absägten, umso breiter wurden die 
Bretter, als hätte jemand Hefe in die 
Holzfaserpressung geschüttet. Als es sich 
irgendwann wirklich nur noch um einen 
„Nanomillimeter“ handelte, wurde der Hammer 
eingesetzt und mit gekonntem Schlag die Sache 
angepasst. Das Brett saß fest! Anschließend 
strich der liebste Mann stolz über die 
Arbeitsfläche und meinte: „Passt, wackelt und 
hat Luft!“    

© Brigitte Koischwitz

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