Landleben: wöchentliche Kolumne

 

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Das Fest der Liebe seht vor der Tür! Da bekanntlich Liebe durch den Magen geht, bietet sich für viele hier auf dieser Welt das gemeinsame Weihnachtsessen als gute Gelegenheit. Denn bekanntlich steigert sich der Genuss von Speisen, wenn sie in fröhlicher Gesellschaft eingenommen werden. Weihnachten gilt da als Einrichtung, sich diesem Bedürfnis ausgiebig hinzugeben. Freundin Gisela beispielsweise, steht förmlich ein strammer Marathon bevor. So wie sie mir erzählte, beginnt die ganze Geschichte am Heiligen Abend. Zu diesem Anlass gibt es Kartoffelsalat und  die obligatorischen Würstchen, gebrüht, gebraten und diesmal auch gegrillt. Nicht weil etwa mit sommerlichen Temperaturen gerechnet wird, nein das Oberhaupt der Familie wird mit einem „Beafer“ beschert. Ein „Beafer“ ist ein cooles Bratgerät für versierte Hobbyköche, die mit einer Höchsttemperatur von achthundert Grad, also  im Turbogang, knusprige Würstchen auf den Teller zaubern. Schrauber, Bohrer, Sägen sind von jedem Wunschzettel gestrichen, sind out! Der moderne Mann ist heutzutage mit Beafer- und Sous-vide-Geräten ausgestattet, denn Kochen unter extremen Umständen ist gefragt. Nun gut, also am Heiligen Abend brutzelt die Familie in absolut intimem Kreis bis alle  pappsatt um den Baum herumliegen. Denn zum Nachtisch müssen auch noch allerhand süße Schleckereien vertilgt werden, die seit Jahren Tradition haben. Nach solch einem festlichen Schmaus, könnte man meinen, dass die Familie einen Diättag einlegt, was jeder Ökotrophologe dringend raten würde.

„Keineswegs“, meinte meine Freundin, denn am 1. Feiertag ist man unumstößlich bei der  Schwiegertochter eingeladen, natürlich auch beim Sohn. Aber sie sagte ganz bewusst Schwiegertochter, weil diese alljährlich einen vortrefflichen Gänsebraten zelebriert, mit Semmelklößen, Kartoffelklößen und dreierlei Soßen nach geheimen Familienrezepten. Dazu gibt es den obligatorischen Rotkohl, der mit einem speziellen Rotwein angereichert wird. Ganz zu schweigen von der Füllung, die beinahe noch besser als die Gans schmeckt!  Und wenn Gisela sonst auch immer ein bisschen an ihrer Schwiegertochter herummäkelt, den Gänsebraten beschreibt sie jedes Jahr als vorzüglich, köstlich und unnachahmbar.

Am zweiten Feiertag trifft sich dann seit ewigen Zeiten der Freundeskreis. Damit nicht ein Einzelner im Stress untergeht, bringt jeder von den Freunden etwas mit, wie zu den guten alten „Bottlepartys“ in den  Siebzigern. Diese Zusammenkunft findet stets bei Gisela statt, weil sie über einen riesengroßen Tisch verfügt, an dem die ganz Meute rundum sitzen kann. Und wenn auch vorher dringlich  verabredet wird, dass jeder nur eine Kleinigkeit zaubert, präsentiert sich dieses Büfett als Ausflug ins Schlaraffenland. Da wimmelt es von Salaten, Pasteten, Quiches und Tart’s und lockt  Schokoladenmousse neben Tiramisu. Und weil man nicht gleich nach dem Essen heimwärts strebt und gemeinsam Kaffee trinkt, türmt sich auch noch die ganze Kollektion der Weihnachtbäckerei in kleinen Schüsseln  auf dem Tisch. Nussecken, Kokosmakronen und Zimtsterne, glänzen da um die Wette. 

Wer kann da dran vorbeigehen? Während Gisela mir ihren kulinarischen Weihnachtskorso schilderte, leuchteten ihre Augen als wäre ihr grad das Christkind begegnet.  Ich habe mich mit ihr gefreut und ganz bewusst den Artikel verschwiegen, den ich in einer Zeitschrift gefunden hatte. Da beschrieb eine Ernährungsberaterin unser weihnachtliches Essverhalten als Terrorangriff auf den eigenen Körper und dass wir gleich eine Bombe ins Haus tragen könnten. Aber dann las ich wieder in einem anderen Artikel, dass gutes Essen Freude bereitet und Freude uns ordentlich mit Glückshormonen versorgt. Nun bin ich hin und her gerissen …. wünsche aber trotzdem ein

Frohes Fest!

© Brigitte Koischwitz

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