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Beschreibung

Kalte Pracht…
Laut Kalender hätte dieses berühmte blaue Band durch die Lüfte flattern müssen, statt dessen klimperten kleine Schneeflocken auf meine frisch gepflanzten Stiefmütterchen nieder.
Aber Termine, besonders für eine Hochzeit, werden meist Monate vorher geplant und müssen, wenn sich die Braut nicht anders entschließt, eingehalten werden.
Und welch anderer Termin eignet sich besser für dieses liebliche Vorhaben, als der Frühlingsanfang.
So hüllte ich mich trotz Eiszapfen und leichtem Schneergrieseln in Chiffon, Samt und Seide.
Denn Nichte Susanne, die sonst in Jeans und klobigen Stiefeln ihr Leben fristet, hatte festliche Kleidung angeordnet.
Und wenn mir auch eine Gänsehaut nach der anderen den Rücken rauf und runter rieselte, so beschloß ich, auch als Tante diesbezüglich durchzuhalten.
Nach der Trauung in der „gruftkalten“ Kirche strebte das Paar eilig dem Ausgang entgegen.
Entzückend wie eine Prinzessin sah die Braut aus. Gerührt rollten mir winzige Tränen die frostigen Bäckchen herab und Susannes rot gefrorenes Näschen leuchtete weit in der weißen Wolke aus Tüll, in der sie den Gang entlangschwebte…

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